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Die Magie des Alltags.

Die Spur

Autor: | aus: Kurzgeschichten

An der Haltestelle kontrolliere ich mit nervösen Blicken den Inhalt meiner Tasche. Habe ich auch wirklich alles dabei, was ich brauche? Das Wichtigste wartet in einem kleinen Reißverschlussfach auf seinen Einsatz. Ich nehme Platz auf den alten, grün gepolsterten Ledersitzen. Die Bahn fährt holprig und ruckelig den Weg in meine Zukunft. Die Regentropfen zittern über [...]

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Irgendwo

Autor: | aus: Gedichte, Raps & Poesie

Irgendwo zwischen mir und mir selbst
Such ich irgendwo ein Irgendwo für mich und mich selbst.

Irgendwo zwischen hier und da
Meinem Bier und der Bar
Zwischen nah und fern
Zwischen Paris und Dakar
Irgendwo zwischen Zukunft und Morgen
Zwischen hunderten Orten[...]

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Tempo kleine Schnecke

Autor: | aus: Gedichte, Raps & Poesie

Mach jetzt schneller, riefen sie.
Aber ich dachte, ich hätte noch Zeit?
Zeit? – Wer hat denn heute noch Zeit?
Ich bestimmt nicht, ich auch nicht,
ja hab Wichtiges zu tun, bin stets
beschäftigt, hab keine Zeit, riefen sie.
Los schneller!

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Tassenprostitution

Autor: | aus: Kurzgeschichten

Vor mir der Kaffee. Stumpf ruht die Tasse auf dem Tisch, gleichgültig gegenüber den Lippen, die sich schon an das kalte Porzellan gepresst haben, dürstend, schlürfend, gierig saugend. Der schmale Henkel scheint abgenutzt, der Glanz von tausenden reinigenden Spülbädern kann mich nicht täuschen: Wie unter Glas sehe ich die einander überlagernden Fingerspuren. Durstige Menschen, abwesende Menschen, Zeitung lesende Menschen – wie aus Gewohnheit tranken sie alle schon aus dieser einen Tasse, als gehöre sie ihnen allein. Im nüchternen Licht des kleinen Cafés sehe ich hunderte unsichtbare Hände nach meiner Tasse greifen.
Ich werde nervös, zünde mir eine Zigarette an.[...]

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Der Magier

Autor: | aus: Kurzgeschichten

Du sitzt auf dem Stuhl. Deine Hände sind auf dem Schoß verschränkt. Durch die blau-grauen Farbkleckse, die deine Pupille umspielen, blinzelt ein freundliches Licht. Jeder deiner Blicke und jeder Schimmer, der sich in deinen Augen spiegelt, hinterlässt ein Geheimnis. Ein Geheimnis, das ich nicht fassen kann, weil es eine Geschichte verbirgt, die neunzig Jahre alt ist.
Hinter dir steht die Balkontür offen. Die Sonne entflammt die Häusersilhouette der ligurischen Küste und berieselt das Meer mit weißen Funken. Eine salzige, warme Brise spielt mit den Vorhängen und streift sanft über dein Gesicht. Du lächelst.
Seit meiner Kindheit hat in deiner kleinen Wohnung jeder Gegenstand seinen Platz. Die Vase auf der Mitte des Esstisches ruht auf ihrem bunten Strickdeckchen. Die vielen Familienfotos an der Wand sind mit den Bilderrahmen verschmolzen. Die Tagesdecke beschützt das Sofa und die Papst-Pius-Magneten verströmen ihre Heiligkeit im Takt des Kühlschranksurrens[...]

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Morgengeplauder – Gute Vorsätze

Autor: | aus: Gedanken & Kommentare

Es ist Neujahr. Die Augen zu öffnen fällt leichter als sonst. In der Luft liegt diese Ruhe. Eine Ruhe, die so unendlich wirkt, weil sie sich irgendwann in der Nacht wie eine Decke über den gellenden Lärm der explodierenden Feuerwerkskörper und Glückwünsche rufenden Menschen gelegt hat. In warmen Socken schleiche ich durch das Haus. Es wirkt viel stiller als sonst. Teppiche und Wände scheinen jeden Laut zu dämmen, zu absorbieren. In der Luft hängt etwas geheimnisvolles, das nur daraus zu bestehen scheint, dass niemand die Schlafenden wecken möchte. Man muss schleichen. Gespannt schiele ich durch die Küchentür. Wer mag schon wach sein? Ob schon Kaffee da ist? Ich liebe die Morgen danach.

Das war schon immer so. Seit meiner Kindheit liebe ich auch die Morgen nach meinem Geburtstag. Die Geschenke liegen vom Vortag noch exakt dort, wo ich sie gelassen habe – glänzend, neu und nur darauf wartend, dass ich mit ihnen spiele[...]

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Heimatsuche

Autor: | aus: Gedichte, Raps & Poesie

Dass ich weiß, wie die Stadt oder Straße heißt,
auf der ich mich gerade befinde,
heißt noch lange nicht, dass ich weiß,
wo ich bin.
In Wirklichkeit habe ich keine Ahnung,
wo ich bin.

Ich denke, damit bin ich nicht alleine.
Viele wissen eigentlich nicht,
wo sie gerade sind.
Habe ich mich auf meinem Weg
vielleicht verlaufen?
Bin ich vielleicht am falschen Ort
stehen geblieben? [...]

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Nostalgie

Autor: | aus: Gedanken & Kommentare

Mit zittrigen Händen lauf’ ich davon. Ich bin auf der Flucht. Es darf nicht passieren. Mir geht es gut, mir geht es gut. Ich darf ihr nicht verfallen. Bewahr’ mich davor, bewahr’ mich davor! Gib mir Kraft, um zu widerstehen. Ich brauch’ es nicht. Ich will es nicht. Verschone mich.

Und wenn nur ein bisschen? Vielleicht brauch’ ich nur ein ganz kleines bisschen, dann geht es mir tatsächlich besser und mehr brauch’ ich nicht. Nur ein bisschen.
Nein, nein, nein! Ein bisschen und dann die volle Ladung. So ist’s doch immer.
Ich brauch’s nicht. Brauch’s nicht!

Zögernd heb’ ich meine Hand. Schau sie mir an[...]

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Heimatlos

Autor: | aus: Reportagen & Berichte

Es ist ein warmer, sonniger Frühlingstag. Viele Menschen drängen sich durch die Düsseldorfer Innenstadt, Eis essend, die Einkaufstüten schwenkend, lachend, redend. Etwas am Rande, an einer Hausfassade, steht ein Mann mittleren Alters und preist unermüdlich seine Zeitung an. Er sieht fröhlich aus, reckt den Arm in die Höhe und ruft Sprüche wie ein Marktschreier: „Holen sie sich jetzt die neuste Ausgabe! Nicht drängeln, es ist genug für alle da. Bitte jetzt an Kasse eins anstellen!“ Manchen kann er ein Lächeln entlocken, die meisten aber gehen abgewandt vorüber. Ein Blick auf den Titel der Zeitung „Fifty-Fifty“ reicht meistens aus, um unangenehme Gedanken an Obdachlosigkeit und Armut zu erzeugen. Dabei will er gar kein Mitleid. Er ist kein Bettler. Er will nur etwas verkaufen, um zu leben, wie viele andere auch. Meist bekommt er selbst ein schlechtes Gewissen, wenn eine Rentnerin ihre letzten Münzen für ihn herauskramt. Fast jeden Tag steht er da, das Geld vom Staat reicht nicht aus und er muss seine Schulden abbezahlen. Oft bekommt er dabei böse Blicke, wird beschimpft oder gar bespuckt, aber dennoch versucht er, das Beste aus seiner Arbeit zu machen, den Menschen ein Lächeln zu entlocken und Spaß dabei zu haben. Es könnte schlimmer sein. Er ist froh über jeden Euro, über seine Wohnung vom Sozialdienst für katholische Männer, froh über das Café „Shelters“, indem der Kaffee nur 80 Cent kostet[...]

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Wie man die Zeit in Schaumbergen messen kann

Autor: | aus: Gedanken & Kommentare

Welcher Tag ist heute? Jetzt und Jetzt und Jetzt vergeht die Zeit. Und ich werde älter. Sie fliegt, die Zeit und selbst wenn ich renne, so schnell ich kann, komm ich nicht mit ihr mit. Die besten Laufschuhe, das disziplinierteste Ausdauertraining, die raffiniertesten Vitaminshakes, doch jeder Wettlauf gegen die Zeit ist nur ein zum Scheitern verurteilter Versuch, sie einzuholen, oder nur mit ihr Schritt zu halten.
Vor einigen Monaten schenkte mir meine Mutter einen Einkaufschip. Schon praktisch so ein Teil. Er hängt an meinem Schlüsselband und wenn ich einen Einkaufwaagen brauche, muss ich nicht nach dem Euro in meinem Portemonnaie Ausschau halten, der dort eh nicht liegt.
Es ist erschreckend! Wann bin ich so alt geworden, dass ich mich über einen Einkaufchip freue? Wann ist es passiert und warum habe ich es nicht mitbekommen?
Ich liege in der Badewanne. Ich tauche unter, um mich zu entspannen[...]

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