Heimatlos

Es ist ein warmer, sonniger Frühlingstag. Viele Menschen drängen sich durch die Düsseldorfer Innenstadt, Eis essend, die Einkaufstüten schwenkend, lachend, redend. Etwas am Rande, an einer Hausfassade, steht ein Mann mittleren Alters und preist unermüdlich seine Zeitung an. Er sieht fröhlich aus, reckt den Arm in die Höhe und ruft Sprüche wie ein Marktschreier: „Holen sie sich jetzt die neuste Ausgabe! Nicht drängeln, es ist genug für alle da. Bitte jetzt an Kasse eins anstellen!“ Manchen kann er ein Lächeln entlocken, die meisten aber gehen abgewandt vorüber. Ein Blick auf den Titel der Zeitung „Fifty-Fifty“ reicht meistens aus, um unangenehme Gedanken an Obdachlosigkeit und Armut zu erzeugen. Dabei will er gar kein Mitleid. Er ist kein Bettler. Er will nur etwas verkaufen, um zu leben, wie viele andere auch. Meist bekommt er selbst ein schlechtes Gewissen, wenn eine Rentnerin ihre letzten Münzen für ihn herauskramt. Fast jeden Tag steht er da, das Geld vom Staat reicht nicht aus und er muss seine Schulden abbezahlen. Oft bekommt er dabei böse Blicke, wird beschimpft oder gar bespuckt, aber dennoch versucht er, das Beste aus seiner Arbeit zu machen, den Menschen ein Lächeln zu entlocken und Spaß dabei zu haben. Es könnte schlimmer sein. Er ist froh über jeden Euro, über seine Wohnung vom Sozialdienst für katholische Männer, froh über das Café „Shelters“, indem der Kaffee nur 80 Cent kostet[...]

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