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Die Magie des Alltags.

Gedanken & Kommentare

Magie gesucht

Wann ist die Magie verschwunden? Und wohin ist sie gegangen? War sie mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum versehen und ich habe es nicht bemerkt? Wie auch immer, jedenfalls bleibt festzuhalten, dass sie fort ist und ich noch hier. Wenn ich im Bett liege und die Sonne durch das Fenster in mein Gesicht scheint, denke ich oft darüber nach, wie es früher war. Bei meinem Kinder-Ich hätten die Sonnenstrahlen einen solchen Endorphin-Schub verursacht, dass ich sofort unter tosendem Lärm aus dem Bett gesprungen wäre[...]

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Big Girl

Du musst hinschauen. Du musst. Es gibt keinen freien Willen. Nicht bei dir. Und so gehorchst du, leistest dem Hormon-General folge und schmiegst deine Augen an sie. Wie zwei Harpunen stecken sie in ihr fest. Unbewegbar. Nicht zu entreißen. Du weißt, was die unumgängliche Folge ist, bist nur allzu gut vertraut mit der jetzt folgenden Kausalität. Das Präludium überwunden, wappnest du dich für die Hauptvorstellung.

Ihre Schönheit verblendet alles im Raum, weißes Rauschen, immer lauter werdendes Licht, die Fenster brechen vom stetig greller werdenden Rauschen[...]

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Das Sichtbare an Dir

Ich suche etwas sichtbares an dir. Versuche mich an einem Blick, der nicht immer genau das verdeckt, was ich sehen will. Ich male diesen Blick, in allen noch nicht geborenen Farben. Ich lausche ihm nach in der Stille ungesagter Wörter, ich schreibe ihn blind und zitternd auf Papier. Ich müsste blind werden, um sehen zu können, immer neu blind werden, so, wie man wunschlos sein muss, um wirklich wünschen zu können, um selbst in einem Wunsch geboren zu sein, Kaskade auf Kaskade fallend, wünschend, zu wachsen. Wunschlos, blind. So muss ich erst blind werden, um das Sichtbarste an dir sehen zu können.
Im stillen Erstaunen starre ich auf deine schwingenden Formen[...]

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Das Verschwinden der Welt

Die Welt ist mir vor die Füße gefallen. Einfach so.
Ich ging durch die Straßen und der Wind brachte noch die letzten Überreste der Nacht, in halbdunklen Wellen wehte sie über den Gehsteig, als wüsste sie nicht mehr, wo sie hingehörte. Die Straßenlaternen flackerten unsicher durch das Dämmerlicht, nicht sicher, ob sie dem anbrechenden Tag vertrauen konnten[...]

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Abschied nehmen

Wann habe ich angefangen, im Gestern und im Morgen, wann habe ich aufgehört, im Jetzt zu sein? Abschiede verfolgen uns jeden Tag. Abschiede von Gegenständen, die zerbrechen, von geliebten Menschen, deren Körper eine Pause brauchen. Von Wiesen, die bebaut werden, von Vögeln, die davon fliegen. Und in jeder Sekunde müssen wir uns auch vom Augenblick [...]

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Asymmetrische Altersanpassung

Ich habe da eine Theorie das Lebensalter betreffend, die die bisherigen Erkenntnisse der Gerontologie, oder vielmehr den geführten Diskurs in den Alterswissenschaften auf den Kopf stellen wird. Meiner Theorie folgend ist das Alter kein fester Punkt auf einer Linie, sondern dynamisch. Es steht ganz in der darwinistischen Tradition des „survival of the fittest“ und besitzt daher die Fähigkeit, sich an gewisse Alltagssituationen anzupassen. Die Prozesse des Alterns und der Verjüngung treten hierbei plötzlich auf und sind nur auf den Augenblick der Situation begrenzt. Das Problem hierbei ist nur, dass sich das Alter nicht im Sinne Darwins der Situation anpasst, also sich in seine Umwelt einfügt, um auf Veränderungen reagieren zu können. Ganz im Gegenteil: Das Alter besitzt statt eines evolutionären, einen revolutionären Charakter[...]

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Morgengeplauder – Gute Vorsätze

Es ist Neujahr. Die Augen zu öffnen fällt leichter als sonst. In der Luft liegt diese Ruhe. Eine Ruhe, die so unendlich wirkt, weil sie sich irgendwann in der Nacht wie eine Decke über den gellenden Lärm der explodierenden Feuerwerkskörper und Glückwünsche rufenden Menschen gelegt hat. In warmen Socken schleiche ich durch das Haus. Es wirkt viel stiller als sonst. Teppiche und Wände scheinen jeden Laut zu dämmen, zu absorbieren. In der Luft hängt etwas geheimnisvolles, das nur daraus zu bestehen scheint, dass niemand die Schlafenden wecken möchte. Man muss schleichen. Gespannt schiele ich durch die Küchentür. Wer mag schon wach sein? Ob schon Kaffee da ist? Ich liebe die Morgen danach.

Das war schon immer so. Seit meiner Kindheit liebe ich auch die Morgen nach meinem Geburtstag. Die Geschenke liegen vom Vortag noch exakt dort, wo ich sie gelassen habe – glänzend, neu und nur darauf wartend, dass ich mit ihnen spiele[...]

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Nostalgie

Mit zittrigen Händen lauf’ ich davon. Ich bin auf der Flucht. Es darf nicht passieren. Mir geht es gut, mir geht es gut. Ich darf ihr nicht verfallen. Bewahr’ mich davor, bewahr’ mich davor! Gib mir Kraft, um zu widerstehen. Ich brauch’ es nicht. Ich will es nicht. Verschone mich.

Und wenn nur ein bisschen? Vielleicht brauch’ ich nur ein ganz kleines bisschen, dann geht es mir tatsächlich besser und mehr brauch’ ich nicht. Nur ein bisschen.
Nein, nein, nein! Ein bisschen und dann die volle Ladung. So ist’s doch immer.
Ich brauch’s nicht. Brauch’s nicht!

Zögernd heb’ ich meine Hand. Schau sie mir an[...]

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Wie man die Zeit in Schaumbergen messen kann

Welcher Tag ist heute? Jetzt und Jetzt und Jetzt vergeht die Zeit. Und ich werde älter. Sie fliegt, die Zeit und selbst wenn ich renne, so schnell ich kann, komm ich nicht mit ihr mit. Die besten Laufschuhe, das disziplinierteste Ausdauertraining, die raffiniertesten Vitaminshakes, doch jeder Wettlauf gegen die Zeit ist nur ein zum Scheitern verurteilter Versuch, sie einzuholen, oder nur mit ihr Schritt zu halten.
Vor einigen Monaten schenkte mir meine Mutter einen Einkaufschip. Schon praktisch so ein Teil. Er hängt an meinem Schlüsselband und wenn ich einen Einkaufwaagen brauche, muss ich nicht nach dem Euro in meinem Portemonnaie Ausschau halten, der dort eh nicht liegt.
Es ist erschreckend! Wann bin ich so alt geworden, dass ich mich über einen Einkaufchip freue? Wann ist es passiert und warum habe ich es nicht mitbekommen?
Ich liege in der Badewanne. Ich tauche unter, um mich zu entspannen[...]

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Nachtgeplauder – Buchstabensuppe

Da sitze ich nun. Jogginghose und Wollpullover in der halbdunklen Küche. Ich habe es mir auf der Arbeitsplatte neben dem Herd bequem gemacht, lasse beide Beine baumeln und schaue stumm auf die Wand gegenüber. Genauso gut hätte ich mich auf das Sofa setzen können oder auf den Stuhl am Tisch, aber es gibt diese Momente, da passt das einfach nicht.

Und da sitze ich nun. Meine zerzausten Haare entblößen erste Lücken in der Mähne und verbildlichen meine schläfrige Abendstimmung präzise. Ich rühre hin und wieder in dem Topf neben mir. Buchstabensuppe. Ich mache immer Buchstabensuppe, wenn ich in dieser Stimmung bin. Buchstabensuppe ist das Beste für lange, dösige Nächte in der Küche. Matte Beleuchtung und eine gemütliche Wohlfühlhose.

Ein tiefer Teller und zwei frische Brötchen stehen schon auf dem Tisch bereit. Es müssen frische Brötchen sein, am besten noch ein bisschen warm. Essen ist doch das einzige, worauf man sich noch verlassen kann[...]

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